22.03.2020 – Mitten in der Coronapandemie

Wer bin ich, wenn ich nicht arbeite?

Corona, ein subtiles Bedrohungsszenario.

Das Gemeine an Corona ist, dass viele der erprobten Strategien im Umgang mit Ungewissheit, Angst und Frustration durch die notwendigen Schutzmaßnahmen aktuell nicht möglich sind.

Das bedeutet, die volle Konfrontation mit Angst und Unsicherheit bei gleichzeitig begrenztem Handlungsspielraum. Die Möglichkeiten, sich lebendig und selbstwirksam zu fühlen sind plötzlich auf das häusliche Umfeld und ein paar Spaziergänge am Tag reduziert.

Interessiert beobachte ich an mir, am lebenden Objekt, was das macht… ich spüre zuweilen so einen kleinen, subtilen Horror wie eine unsichtbare Schlinge, die sich langsam zuzieht. Eng wirds mir. Gruselig fühlt sich das an.

In meinem Umfeld beobachte ich, dass, zurückgeworfen auf existenzielle Themen, unterschiedliche Strategien im Umgang mit Ohnmacht/ Begrenzung genutzt werden. Der eine füllt noch schnell eine Vorsorgevollmacht aus, die andere betreibt manischen, häuslichen Aktionismus (Renovieren, Ausmisten) oder wirkt im Garten. Wieder anderen hamstern Toilettenpapier, entwerfen tagesstrukturierende Maßnahmen für sich und etwaige Kinder oder betreiben Outdoor-Sport. Noch nie war das Naherholungsgebiet so voller Menschen wie derzeit. Das ist schön für die, die neu dazu gekommen sind und gleichzeitig herausfordernd für alle, die mit Naturerleben auch eine gewisse Einsamkeit verbinden. Jetzt muss man den Raum teilen – bis die Fitnessstudios wieder öffnen.

Ähnliches wird bei dem Konsum von Nachrichten deutlich, während es für den einen sehr wichtig ist, permanent auf allen Kanälen maximal gut informiert zu sein, schreckt die Wiederholung der permanent schlechten Nachrichten andere eher ab. Es gibt auch eine Sehnsucht nach Leichtigkeit und Schönheit.

Inwieweit all das auch rückwirkend eine Chance für die Menschheit sein kann oder sonst wie positiv zu reframen ist – keine Ahnung. Das geht mir zu schnell. Bitte keine Bewertung, einfach sein im Hier und Jetzt, das ist mir persönlich gerade Herausforderung genug.

Heute morgen geisterte der kleine Zweizeiler vom RKI, dass die Zahl der Neuinfektionen leicht gesunken ist, durch die Nachrichten.

Hoffnung. Wirksamkeit. You made my day.

 

Eine Antwort auf „22.03.2020 – Mitten in der Coronapandemie“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.